Intensiver Sport wie ausgiebiges MTB Training bringt neben den Benefits auch Risiken mit sich, deshalb ist eine Untersuchung des Herzens nichts Falsches. Lange verschleppte Infektionskrankheiten oder angeborene genetische Defekte können böse Folgen nach sich ziehen. Neben bekannten Routine-Untersuchungen (Beispiele Leistungs-EKG, Ultraschall) wurden weitere Messungen entwickelt. Dabei sollen nicht nur über den Krankheits-, sondern auch viel über Gesundheitsstatus und Gesamtzustand des Körpers Aussagen getroffen werden.

MTB Training HRV Messung

Selbstversuch HRV Messung – MTB Training Diagnostik

Interessant ist für mein Training auf meinen Mountainbikes besonders die sogenannte Herzratenvariabilitätsmessung (HRV-Messung). Dabei kommt es zur Erfassung der Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen. Das sagt sehr viel über die Fähigkeit des Organismus aus, sich an äußere und innere Einflüsse anzupassen. Diese HRV-Messung machte mich auf die eigenen Ergebnisse neugierig. So liess ich mich 24 Stunden lang verkabeln und trug das etwas Walkman-große EKG-Gerät beim Sport auf einem meiner Enduro-Bikes unter’m Shirt. Meine zirka 100.000 Herzschläge und mehrere tausende Atemzüge im Zeitrahmen der Messung ergaben dann ein enormes Datenvolumen. Dieses wurde dann mithilfe einer hochspezialisierten Software umgerechnet, sortiert und in Form eines aussagekräftigen Farbprismas visualisiert. Das schon sehr kleine Messgerät hat mit 4096 Mal pro Sekunde eine sehr hohe Abtastrate (bei den alten Methoden sind es 250 oder bis zu 500 Mal), was grundlegend für die wissenschaftlich exakte Biosignalverarbeitung ist.

Die daraus resultierenden Ergebnisse meiner HRV-Messung war dann insgesamt recht gut, meine unübersehbaren Defizite, vor allem im Regenerations-Bereich, wurden sehr genau erkannt und vermindert sowie verbessert. Ich konnte über das subjektive Empfinden hinaus auch genaueres über meinen eigenen Trainingszustand herausfinden – das war auch sehr interessant. Ebenfalls wurden Leistungspotential, mein Regenerationsvermögen, die bei mir suboptimale Schlafqualität sowie das biologische Alter ermittelt – das Resultat ließ mich direkt sechs Jahre jünger fühlen, kein Wunder, dass ich wieder Lust auf ein Comeback auf einem der verspielten Dirt-Bikes bekommen habe.

Insgesamt machten mir die Ergebnisse eine bessere Anpassung meines Trainingsverhaltens möglich. Der in der Leistung inkludierte individuelle Trainingsplan mit Tipps sowie konkreten Anweisungen ist eine gute Orientierung. So liegt mein Fokus nun vermehrt auf der ausreichenden und angemessenen Erholung nach dem Training.

Die Ergebnisse der Messungen basieren auf der Auswertung der Herzratenvariabilität. Eine genauere Erklärung des Begriffes und der Methodik dahinter gab mir Dr. Andreas Weyenberg aus Bonn, der die Messung bei mir durchgeführt hat:

Die HRV ist die Fähigkeit des Herzens, den zeitlichen Abstand von einem Herzschlag zum nächsten laufend zu verändern und sich so flexibel ständig wechselnden Herausforderungen anzupassen.

Unser Herz reagiert unmittelbar auf alles, was wir erleben, denken und fühlen. Bei gesunden Menschen reagiert das Herz ununterbrochen auf diese äußeren und inneren Signale mit fein abgestimmten Veränderungen („Variationen”) der Herzschlagfolge. Dieses Phänomen ist die Herzratenvariabilität, abgekürzt HRV. Die HRV ist ein Maß für die allgemeine Anpassungsfähigkeit eines Organismus. Verantwortlich für das Beschleunigen oder Verlangsamen des Herzschlages ist das Autonome Nervensystem. Dieses kann von uns nicht willkürlich gesteuert werden. Der Herzschlag zeigt untrüglich den inneren Zustand eines Menschen.

Im nun folgenden Kurzinterview geht es um den Nutzen einer HRV-Messung für Mountainbiker/innen.

Interview mit Dr. Andreas Weyenberg, Hobby-Biker HRV-Experte:


Foto: Praxis für Prävention in Bonn

Was bringt eine HRV-Messung für ambitioniertes MTB Training?

Man kann damit sein MTB Training optimal steuern. Es werden nicht nur die Trainingsbereiche sehr genau festgestellt, sondern auch Regeneration und Schlafkultur als wichtige Quellen der Leistungsfähigkeit können sehr gut beurteilt werden. Insbesondere in der Wettkampfvorbereitung kann so das Training sehr gut gesteuert werden, um eine Leistungssteigerung zu erreichen. Oft sind nämlich Übertraining und mangelnde Regeneration Ursachen für ein Stagnieren der Leistungskurve. Zudem können Trainingserfolge sehr schön grafisch darstellt werden und so den ambitionierten Sportler noch besser motivieren. Durch regelmäßige Messungen kann die Trainingsintensität dem tatsächlichen Leistungsvermögen des Sportlers optimal angepasst werden.

Können auch normale MTB-Touren-Fahrer von einer HRV-Messung profitieren?

Für die normalen Tourenfahrer gilt im Prinzip das gleiche wie für die Leistungssportler. Besonders aber profitieren viele Normalfahrer, weil sie sich oft zu viel zumuten und zu Übertraining neigen. Die Regeneration kommt dabei meist zu kurz. Folgen können gesundheitliche Probleme, wie z.B. häufige Infektionen und allgemeine Leistungseinbußen sein. Mit wertvollen Tipps zu den „richtigen Pausen zur richtigen Zeit“ und zur Schlafkultur können mit der HRV-Messung Lebensfeuer © (Anm. d. Red.: Patentgeschützte Methode) gleichzeitig die Leistung verbessert und die Gesundheit erhalten werden. Training und Beruf können optimal aufeinander abgestimmt werden. Welche Trainingsintensität zu welcher Zeit? Und auch hier gilt: wiederholte Messungen steigern die Motivation, weil die Verbesserung der subjektiven Befindlichkeit objektiv mit verfolgt werden kann.

Für welche Risiko-Patienten, die gerne Sport treiben wollen, ist eine HRV-Messung empfehlenswert?

Viele neue Studien belegen, dass Sport bei nahezu jeder chronischen Erkrankung positive Effekte hat. Von Diabetes über Bluthochdruck und Herzkrankheiten bis hin zu Krebs. Auch neurodegenerative Erkrankungen, wie Multiple Sklerose, Alzheimer, Depression oder Angststörung verbessern sich erwiesenermaßen durch Sport. Nur, wie intensiv darf das Training sein? Hier gibt die HRV-Messung Lebensfeuer © (Anm. d. Red.: Patentgeschützte Methode) genaue Auskunft. Chronisch Kranke brauchen Training im so genannten REKOM-Bereich (Regenerations- bzw. Kompensationsbereich). Es lässt sich sehr genau sagen, bis zu welcher Herzfrequenz sie trainieren dürfen, um diesen Bereich nicht zu überschreiten und sich in Gefahr zu bringen. So erlangen wir größtmögliche Trainingssicherheit bei Risikopatienten. Auch hier gilt: Motivation, Zuversicht und Antrieb können durch die grafische Sichtbarmachung des Gesundheitszustands und von erreichten Verbesserungen wesentlich gesteigert werden.

Dr. Andreas Weyenberg / Praxis für Prävention in Bonn