Im Elisabeth Brandau Interview erzählt die mehrfache Deutsche Meisterin, warum Ihre Wahl auf Mondraker Bikes gefallen ist und wie sich als zweifache Mama fit für den Leistungssport hält. Die sympathische und bodenständige Allround-Racerin zielt auf die Olympischen Spiele in 2020 ab, bis dahin kann sie noch häufig beweisen, was in Ihr steckt.

Zu Besuch bei Elisabeth Brandau, hier auf dem Cross-Rad:

Elisabeth Brandau Interview

Liquid-Life: Hi Lisa (Anm. d. Red.: Da man sich schon lange kennt, direkt das „Du“!) Stell Dich bitte mal kurz vor für alle, die Dich noch nicht kennen oder nur vom Namen her!

Lisa Brandau: Hi! 🙂 Ich bin 1985 geboren und Mama von zwei Buben (Jahrgänge 2015 und 2017), wohne in Schönaich bei Stuttgart und fahre mein leben gern auf Mountainbikes und generell liebe ich das Radfahren, egal auf welchem Untergrund. Klaro, am liebsten auch erfolgreich.

Die letzten zwei Jahre waren für Dich als Profi-Bikerin und Familienmensch voller Ereignisse. Welche Highlights und Downs kannst Du dabei hervorheben für unsere Leser/innen?

Es gab eigentlich nur Highlights: Nach der ersten Schwangerschaft ging es ständig nach oben. Meine größten Highlights sind meine beiden Söhne. Im Radsport waren die Olympiaqualifikation und das Comeback an die internationale Spitze sowie die Deutschen Meistertitel natürlich auch super! Das Einzige, das ich anfangs als sehr enttäuschend empfand, war dann Olympia zu verpassen. Aber jetzt im Nachhinein mit Abstand, verstehe ich die Entscheidung des BDRs. Aber noch nicht die daraus folgende Entscheidung wegen Ersatzfahrerinnen und das Nein für einen Einsatz einer Ersatzfahrerin nach der Verletzungskomplikation von Sabine Spitz. Doch vielleicht war es ja gut, aufgrund des Zirka-Virus, der mich zu der Zeit traf – so habe ich einen gesunden zweiten Sohnemann bekommen können 🙂 Und nun nochmals alle Chancen auf weitere Spiele!

Lisa Brandau und Ihr blitzschnelles Mondraker Podium im Schnee unterwegs:
Elisabeth Brandau Interview

Du bist im Worldcup-Zirkus mit im inoffiziellen Team der schnellsten Mamas auf 29-Bikes unterwegs. Hast Du vor der Geburt Deines ersten Kindes mit Gunn-Rita Dahle oder anderen Athletinnen gesprochen, die Kinder haben gesprochen oder über sie gelesen? Andere Leistungssportlerinnen beenden ja ihre Karriere bei Nachwuchs, was dachtest Du anfangs zu diesem Thema (Mama sein und Profisport)?

Ich weiss gar nicht, ob überhaupt eine andere Racerin zwei Kinder hat 😉 Einige kenne ich – die nun zeitgleich oder ein klein wenig früher Mama geworden sind. Einige Mütter hörten auf, einige kamen wieder mit Abstand. Auch in anderen Sportarten ist das nicht unüblich. Ich glaube je nachdem, wie man sich organisiert, geht das gut! Ich habe mir nie einen Kopf drüber gemacht, ob das geht oder nicht. Bestimmt ist das auch besser so gewesen. Oft zerdehnt man sich alles und traut sich dann gar nichts mehr. In dem Moment ist es dann schon vorbei. Man muss es einfach tun und sehen was bei raus kommt. Andere Mütter arbeiten auch – so bin ich wenigstens in der Natur auf MTBs oder und mache etwas für meinen Körper. Und ich kann die Familie mitnehmen, das ist schön. Mit Gunn-Rita hatte ich ein wenig Kontakt, auch wegen Training in der Schwangerschaft. Aber jeder ist so individuell – ich konnte länger auf dem Rad sitzen, stieg schneller wieder ein, da es einfach gut ging und ich mir schon ein wenig Druck machte.

Nach der zweiten Geburt und einer weiteren Entwicklung als Profi-Mountainbikerin hast Du sicher die eine oder andere Lektion gelernt – welche Fehler würdest Du dabei sicher nicht nochmal machen?

Puh, Fehler – schwer zu sagen. Ich schaue, dass ich weniger Rennen fahre wegen der Erholung und auch wie ich es finanziell stemmen kann. Das ist aber auch einfach zwei Kindern geschuldet. Mit einem war das einfacher. Den einzigen Fehler, den ich öfters machte: Einfach zu schnell zu viel zu wollen. Und das ist auch ein langjähriger Prozess, das zu ändern und zu akzeptieren. Und auch zu aktzeptieren, dass Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, quasi 😉 Das zieht sich ja durch alle Ebenen, nicht nur im Radsport.

In der Vergangenheit hattest Du verschiedene Material-Sponsoren für Dein EBE-Racing-Team. Auf welchen Rädern bist Du 2018 unterwegs?

Mondraker ist eine spanische Marke, die voll auf das MTB setzt. Und dann zusätzlich noch voll auf den Rennsport (Anm. d. Redaktion, bekannt auch im Worlcup durch Danny Hart: Das Das Mondraker Summum). Das heißt, dass die Räder auch das Maximum an Performance an Abfahrts-Leistung aus dem Fahrer herausholen und das ist natürlich für mich zum Vorteil 🙂 Es ist mir wichtig, dass ich mich sicher auf meinem Bike fühle. Zudem habe ich nun auch meine passende Radgröße! Sie waren die einzigen die in mich Vertrauen hatten, dass ich trotz dem zweiten Kind wieder zurück kommen kann. Dies war ein wirklich großer Teil an Motivation, dass ich auch weiter mache. Es ist nicht leicht: Man muss immer mit Erfolgen in Vorleistung gehen und die wenigsten wissen, was dahinter steckt überhaupt die Erfolge zu erzielen.

Sponsoren glücklich zu machen ist Teil Deines Jobs, natürlich auch welche zu aquirieren. Welche Methoden hast Du bei der Arbeitsteilung, wer nimmt Dir viel ab, damit Du Dich auf Training und Rennen konzentrieren kannst?

Schwierige Frage! Abnehmen tut uns, also mir und meinem Mann Marco, kaum einer was. Die Partner selber und auch mein EBE-Racing Team sind Teil des Systems und die Fahrer innerhalb des Teams helfen uns auch sehr. Dafür bin ich sehr dankbar. Zusätzlich halten Sie meine Motivation hoch 🙂 Es ist ein tolles Gefühl, wenn man anderen auch etwas gutes tun kann.

Deine fahrtechnische Entwicklung seit Deinem Umstieg vom Rennrad aufs MTB ging dynamisch weiter. Welcher Schritt war dabei für Dich der entscheidend?

Training, Training und Training und das richtige Material! Aber nicht nur im Gelände – sondern auch mental und das Vertrauen in das eigene Können zu bekommen. Ich arbeite schon lange mit Michael Deutschmann im mentalen Bereich zusammen und Rene Schmid habe ich für das Gelände – er und Marc Brodesser haben mit mir an der Fahrtechnik gearbeitet. Aber auch mein Mann fordert mich immer wieder, wenn wir gemeinsam unterwegs sein können. Er fährt lieber bergab als hoch, auch auf Enduro Bikes 🙂

Wie Du es sagt, sind Dir mentale Aspekte als Leistungssportlerin und als Trainierin wichtig. Welchen Tipp hast Du da für unserer Leser/innen parat?

Niemand kann sich selbst komplett objektiv sehen und da ist es wichtig Personen um dich zu haben, die dich reflektieren. Man muss offen sein mit der Reflexion zu arbeiten. Die meisten denken immer „das ist halt so, aber dann ist es eben so“. Man kann aber auch alles ändern, was ist und was man nicht will. Wenn man es will, offen für andere Wege ist und vor allem bereit für Veränderungen ist, kann man alles handhaben.

Mama spielt auch gern im Matsch – auf Hardtails
Elisabeth Brandau

E-Bikes sind DER Trend in der Fahrradbranche. Welche Erfahrungen und Meinungen hast Du zu dem Thema?

E-Mountainbikes machen Spaß 🙂 Ich fahre auch gern ein E-Bike – besonders mit dem Kinderanhänger, wenn es bergauf geht. Ich finde es nur schade, dass man komplett dadurch den Rennsport – die Unterhaltung und auch den Grundstock der Werbung vernachlässigt. Jeder Rennfahrer sagt, dass es Spaß macht E-Bike zufahren. Wir wollen uns ja auch nicht immer quälen und auch mal eine Gaudi auf dem „schnellen“ Bike haben! Ob Kinder gleich damit aufwachsen sollen, finde ich fraglich. Bewegung hat noch keinem geschadet und es ist die größte und günstigste Gesundheitsprävention!

Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?

Ich denke nicht mehr im Rennsport. Wenn Maximilian in die Schule kommt, möchte ich auch vor Ort sein und für ihn da sein. Ich möchte mich um meine Familie kümmern, die Kinder in einer Sportart unterstützen oder auch in Musik. Was auch immer die Vorlieben und Talente sind. Gerne unterstütze ich andere Sportler mit dem Wissen, das ich bis dahin gesammelt habe und möchte meine Selbständigkeit ausbauen. Denn man sollte auch mal an die Altersvorsorge denken 😉 Mein EBE-Racing Team möchte ich lange weiter führen und dort auch andere Personen zum gemeinsamen Sport motivieren!

Danke für das Interview und ales Gute für die Saison!